Oliver Jungmann.

Saarbrücken.

Wer bist du?

Mein Name ist Oliver Jungmann. Ich bin Fotograf und Unternehmer. Ich leite zusammen mit meinen beiden Studiopartnern ein Mietstudio für Foto- und Videoproduktionen in Saarbrücken. Fotografisch arbeite ich hauptsächlich im Bereich „Werbung“ und bin zudem als Workshopdozent tätig. Ausgleichend zum Arbeitsalltag hab ich letztes Jahr ein Film- und Animationsstudium an der Hochschule Mainz begonnen. Meine freien Arbeiten entfernen sich vom kommerziellen Hintergrund und geben mir die Möglichkeit abstraktere Projekte umzusetzen.

Wer möchtest du werden?

Da bin ich recht offen. Ich möchte mich ständig weiterentwickeln und verändern. Solange ich weiterhin das Privileg besitze mich als Künstler frei ausleben zu dürfen, ist alles andere erst einmal nebensächlich und muss auch nicht geplant werden.

Wie sieht für dich ein gutes Leben aus?

Mir ist es wichtig, ein eigens auf mich zugeschnittenes Lebensmodell zu entwickeln und mich dabei nicht zu stark von dem Lebensstil der übrigen Gesellschaft beeinflussen zu lassen. Ich möchte nicht blind darauf vertrauen, dass die in unserer Kultur vorherrschende Art sein Leben zu gestalten, auch wirklich die Art ist, die am besten zu mir, meinen Bedürfnissen, meinen Erwartungen und meinen Zielen passt. Hier nun auf jeden einzelnen Punkt einzugehen, würde wohl den Rahmen dieses Interviews sprengen. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass ich einen materiell reduzierten Lebensstil bevorzuge. Diese Entscheidung wirkt sich in vielerlei Hinsicht entlastend und positiv auf mein Leben aus.

Wie verkörpert sich deine individuelle Kreativität?

Bisher konnte ich in jedem Bereich, indem ich tätig war, wachsen und auch in Sachen Gestaltung neue Ansätze für mich entdecken. Ich war zwei Jahre lang als Wissenschaftsfotograf an der Universität des Saarlandes in der Abteilung der klassischen Archäologie tätig. In dieser Zeit wurde meine Sehgewohnheit stark von der Bildhauerei aus der Zeit 1500 v. Chr. - 500 n. Chr. geprägt. Wenn ich mir heute meine neueren Arbeiten betrachte, kann ich diesen Einfluss ganz deutlich sehen. Die Arbeiten sind viel ruhiger geworden. Früher musste es immer spektakulär sein. Heute bin ich viel eher von Werken fasziniert, die durch ihre Einfachheit und Klarheit bestechen. Aktuell finde ich es sehr spannend, Dinge auf ihren Kern zu reduzieren und anschließend mit kleineren Veränderungen eine komplett neue und evtl. auch surrealistische Wirkung zu erzeugen, z.B. durch den Wechsel der Farben oder durch das Entfernen bzw. Hinzufügen eines bestimmten Bestandteils. Abgesehen von der Gestaltung, sollte man sich aber auch seiner sozialen Verantwortung, die man als Künstler trägt, bewusst sein. Der Einfluss durch die Medien, die wir mitgestalten, ist groß. Wir prägen damit unmittelbar unsere Gesellschaft. Wir müssen uns also im Klaren sein, was wir mit unseren Arbeiten aussagen und bewirken.

Welches Risiko bist du bereit einzugehen, um deine Ziele zu erreichen?

Die Erfahrung zu scheitern, möchte ich nicht missen. Man wächst viel schneller, sobald die Dinge mal nicht rund laufen. An die eigenen Grenzen zu stoßen, bedeutet, sich selbst besser kennenzulernen. Man bekommt die Möglichkeit geboten, unbekannte Seiten an sich zu entdecken. Stärken und Schwächen können neu zugeordnet werden. Vielleicht erkennen wir sogar, dass die eigenen Grenzen viel weiter entfernt sind, als wir die ganze Zeit annahmen. Und möglicherweise macht uns diese Erkenntnis – trotz des Scheiterns – sogar ein Stück weit selbstsicherer und gelassener. Vor allem dann, wenn wir bemerken, dass sich die Welt trotz unseres Misserfolges immer noch weiter dreht. Würden wir im Leben niemals scheitern, bliebe uns am Ende nur die Ungewissheit darüber, ob wir unser Potenzial komplett ausgeschöpft haben.



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